Sonntag, blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, -10°C Grad, Schnee soweit das Auge reicht. Der Sauerländer blüht bei diesem Wetter erst richtig auf, schnallt sich die Skier unter die Füße und donnert die Pisten in Neuastenberg, Wilde Wiese oder anderswo hinunter. Oder, er packt sich dick ein ein und stampft durch den Schnee auf einem der ungezählten Wanderwege in Homert und Rothaargebirge. Nur was tun, wenn nächstes Wochenende das Wetter umschlägt?
Wie wäre es mit einem Museumsbesuch? Denn auch an Museen ist das Hochsauerland nicht arm. Mein persönlicher Tipp: Das Maschinen- und Heimatmuseum im wunderschönen “Luftkurort” Eslohe. Jaja, Museum klingt immer schnell langweilig, wenn es sich nicht gerade um das MOMA in New York, den Pariser Louvre oder das Ägyptische Museum in Berlin handelt. Das Fremde erscheint meist aufregender und interessanter als die Kultur und Geschichte der eigenen Heimat. So geht es zumindest mir. Im Sachkundeunterricht der Grundschule und auch im anschließenden Erdkundeunterricht in der Sekundarstufe I haben sich die Lehrer zwar bemüht, mir Einiges über die Eigen- und Besonderheiten des Sauerlandes zu vermitteln, aber es hat mich meist nicht besonders interessiert. Erst in den letzten Jahren, da ich die Heimat hinter mir gelassen habe, ist mein Interesse an der Historie des Sauerlandes erwacht. Auch ich will wissen, wo ich denn eigentlich herkomme.
Zurück nach Eslohe. In das “sympathische” Einkaufsdorf, wie die Werbegemeinschaft es im Slogan betitelt. Aber das stimmt wirklich. Eslohe ist sympahtisch. Durch seine Fachwerkhäuser, durch seine kleine Größe, durch seine Vereinskultur und natürlich durch seine Einwohner. Und Eslohe ist ein ein Einkaufsdorf. Die Betonung liegt tatsächlich auf Dorf. Es dominiert der Einzelhandel. Niederlassungen von Ketten, wie sie die deutschen Stadtbilder prägen, sucht man hier glücklicherweise vergeblich. (Ob und wie sich das ändert, wenn das neue Einkaufszentrum tatsächlich gebaut wird, bleibt abzuwarten.) Aber bis dahin gilt: ein Einkaufsbummel lohnt sich!
Aber wir wollen ja heute ins Museum. Dafür nehmen wir im Esloher Kreisel die Ausfahrt Richtung Kückelheim/ Salwey und biegen kurz vorm Ortsausgang links auf den Parkplatz des Museums. Keine Sorge, ist alles gut ausgeschildert und nicht zu übersehen. 1981 wurde das Museum erstmal eröffnet. Im Herbst 2006 wurde es nach zweijähriger, umfangreicher Bauzeit wiedereröffnet. Und es kann sich wirklich sehen lassen. Im ersten Teil des Mueseums erfährt man vieles über das bäuerliche Leben im Raum Eslohe, aber auch im gesamten Sauerland. Über die Bedeutung des Waldes, des Handwerks. Ja, auch über die Beschwerden und Tücken des ganz alltäglichen Lebens. Zahlreiche Exponate, die oft von Bewohner der Region dem Museum gestiftet wurden, vermitteln ein eindrückliches Bild vom Leben in der Region vor hunderten von Jahren. Auch die Sauerländer Sprache, das Platt, wird ausführlich gewürdigt.
Den zweiten Teil des Museums nimmt aber die “Technik” ein. Der Fabrikant Eberhard König, dessen ausgeprägter Sammelleidenschaft die Mehrzahl der hier versammelten Exponate zu verdanken sind, hatte ein großes Faible für Dampfmaschinen aller Art. Jedem Technikfreak schlägt beim Anblick der riesigen Maschinen das Herz höher (sogar mir, als ausgewiesener Techniklegasthenikerin). Richtig spannend wird es, wenn Ende Mai bzw. Ende September die “Dampftage” anstehen. Dann werden einige dieser Maschinen wieder zum Leben erweckt. Ein Highlight im Museumsjahr für Jung und Alt.
Ein weiteres Highlight, insbesondere für die jüngere Generation unter den Besuchern, sind die Eisenbahnfahrten mit einer museumseigenen Diesellok. Wetterbedingt finden diese nur in der warmen Jahreszeit statt und dann wiederum nur an jedem 1. und 3. Samstag im Monat. Aber die Ticketpreise sind unschlagbar günstig (1 Euro für Erwachsene, 50 Cent für Kinder). Davon könnte sich die Deutsche Bahn mal eine Scheibe anschneiden.
Auch die normalen Eintrittspreise (4 Euro Erwachsene/ 2,50 Euro Kinder) sind vollkommen in Ordnung für eine Museum dieser Art. Und wenn man bedenkt, dass die Arbeit in und um das Muesum ausschließlich von Ehrenamtlichen geleistet wird, kann man nur noch staunen.
Aktuell läuft übrigens eine Sonderausstellung “MACS TRIUMPH DES TODES – Eine Bild-Maschinen-Klanginstallation” der beiden heimischen Künstler Ulrich Rützel und Thomas Jessen. Ich habe sie selber noch nicht gesehen, aber sie läuft ja noch bis Ende März 2012.
Ach ja, das Museum kann und sollte man natürlich auch bei gutem Wetter besuchen. Danach kann man ja zum Beispiel ein Käffchen im Ort trinken oder eine Runde durch die Esloher Wälder spazieren.
Viel Spaß!
Die Webpräsenz des Museums findet ihr hier.