Bewerbung als Bundespräsidentin (Satire)

Bewerbung als Bundespräsidentin der Bundesrepublik Deutschland

Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder der Bundesversammlung,

der aktuellen Berichterstattung in den Medien entnehme ich, dass in Kürze im Schloss Bellevue die Stelle des Hausherrn frei wird. Daher möchte ich mich Ihnen jetzt schon kurz vorstellen.

Mein Studium der Geistes- und Sozialwissenschaften werde ich in Kürze erfolgreich abschließen und suche daher eine berufliche Herausforderung. Wie vom Grundgesetz verlangt, bin weder Mitglied der Bundes- oder einer Landesregierung, auch habe ich bisher keinen nennenswerten anderen Job, der mit meiner zukünftigen Beschäftigung als Bundespräsidentin unvereinbar wäre (Artikel 55 GG Absatz 2).

Ich werde Ihnen keine Probleme bereiten und alle Gesetze kommentarlos unterschreiben. Auch werde ich keine gewagten Sätze à la „Der Islam gehört zu Deutschland“ von mir geben, die zu einer Sinnkrise in CDU und CSU führen könnten. Stattdessen werde ich mich kreativ ausleben und bei der Weihnachtsansprache auch blaue und rosa Kugeln am Weihnachtsbaum zulassen. Auch um den Garten rund um Schloss Bellevue werde ich mich selber kümmern und den Rasen mit ein paar Blumenbeeten aufhübschen.

Abgesehen von meinen Bafög-Schulden, bringe ich keine weiteren finanziellen Altlasten mit ins Amt. Ich habe kein Haus, sondern wohne wie die Mehrzahl der Deutschen zur Miete. Weiterhin besitze ich keine reichen Freunde in Politik & Wirtschaft, denen ich eventuell noch Gefälligkeiten schulde. In den Urlaub fahre ich mit der Bahn, zweite Klasse (aber mit Bahncard) versteht sich und verzichte auf Upgrades. Wie Sie sehen, besitze ich ein geringes Skandalpotential.

Zu der Mehrzahl der Medien dieses Landes habe ich derzeit kein bzw. ein neutrales Verhältnis. Die Pressefreiheit ist für mich selbstredend ein „hohes Gut“ und ich werde mich auf meinen Auslandsreisen verstärkt dafür einsetzen. Allerdings verachte ich die Springer-Presse, aber für Amt und Vaterland verbrüdere bzw. verschwestere ich mich auch mit BILD und BAMS. Titel-Storys über mein Privatleben gibt es derzeit noch nicht, aber selbstverständlich werde ich mit BUNTE einen Exklusivvertrag über die Veröffentlichung meiner Hochzeitsfotos, Aufnahmen meiner Kinder, Autos, Hunde etc. abschließen.

Als relativ ausgeglichener Charakter lasse ich mich so gut wie nie zu spontanen Wutausbrüchen hinreißen. Auf Anrufbeantworter spreche außerdem grundsätzlich nicht, da komme ich mir immer so komisch vor.

Durch zahlreiche Referate und Vorträge während meines Studiums, bin ich übrigens sicher in der freien Rede und meine Stimme verfügt darüber hinaus auch über unterschiedliche Tonhöhen, so dass dem Volk bei meinen Reden nicht sofort die Füße einschlafen werden.

Bisher habe ich weder das dreißigste noch das vierzigste Lebensjahr vollendet, aber diesbezüglich schlage ich eine schnelle Grundgesetzänderung vor. Diese ist selbstverständlich alternativlos für meine Wahl.

(Parteipolitisch möchte ich mich nicht festlegen, denn ich soll ja sicher eine Bundespräsidentin für alle Deutschen sein.)

Wenn Ihnen meine Ausführungen bis hierher gefallen haben, würde ich mich freuen in den nächsten Stunden oder Tagen von Ihnen zu hören.

Für eine Wiederwahl nach fünf Jahren stehe ich selbstverständlich zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Wutzeline

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2 Antworten zu Bewerbung als Bundespräsidentin (Satire)

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